Skip to main content

Pressestimmen

Berichte & Kritiken


Skeltigeron «Basel-City»

01. Februar 1998Von: Bossarehli & Bee-JayViews: 1590

move magazine logoUnmittelbar nach ihrem gelungenen Gig in der Schüür, chillten wir Backstage mit Skeltigeron (Skelt!, Black Tiger, Rony und DJ Drozt) aus Basel, um mit ihnen ein Interview durchzuführen.

Wir machten aus auf einem Sofa bequem und wollten gerade mit dem Interview beginnen, als Skelt!’s Handy überraschend klingelte.
Hier einige Auszüge:

skelt move press picSkelt!: Wär isch do…? Zwäge…? Isch e gemütliche Gig gsi…s’Publikum hett e paar Schloofsägg mitgnoh, aber sunscht isch cool gsi…Nai es isch fett gsi…jo es isch okay gsi…haha, hän ihr dört abgwietet?…was isch dört gsi?…
Zoro MC: Säg ihm du hesch Ziit du müsisch Autogramm verteile…
Skelt!: Händ ihr no Freestyleshit gwietet…geil…yeah, wo bisch jetzt, in dr Bronx?
Zoro MC: Nei, z’Brooklyn!
Skelt!:…Hütt..jo…emh…am zwai?…jo, was ich denn mach…jo…chille!

Skelt!: Yes, eh, mein Name ist Skelt! SKELT Ausrufezeichen nicht vergessen. Aktiver MC, B-Boy, Writer, bla, bla - Ich mache und lebe Hip-Hop für mein Leben gerne. Momentan sind wir hier in der Schüür Luzern am «abchillen», SKELTIGERON nach dem Gig im Backstageflash mit MOVE.

Move: Du bist, wie ich gehört habe, ein typischer Old-Schooler…
Skelt!: Na ja…

Move: Du hast jedenfalls mit Breakdance und Graffiti begonnen, oder?
Skelt!: Ich habe zwar 1984/85 die erste Hip-Hop-Welle in der Schweiz mitgekriegt, bin aber noch nicht richtig darauf eingestiegen. 1987 find ich mit einigen Kollegen an zu breaken, und als ich mir beim Tanzen den Arm brach, find auch aus Langeweile mit dem Zeichnen an. Auch dort merkte ich, dass ich gut voran kam. Durch einen Kollegen meiner Ex-Crew (D as a Day -> Anm. des Webmasters: «TIZA») fing ich mit dem Rappen an.

Zum Thema Old-School/New-School: Mir ist es eigentlich egal, ob jemand Old- oder New-School, East-Side/West-Side ist. Für mich gibt es nur den Hip-Hop. Die Maxime heisst: Zusammen abgehen und Party haben. Was wäre Hip-Hop ohne die neuen Leute, die nachkommen, und was wäre er ohne die Alten. Alles ist doch einfach ein Kuchen! Also stecke ich mich in keine Schublade - ich lebe und mache einfach Hip-Hop. (YEAH aus dem Hintergrund).

Move: Was ist mit P-27?
Skelt!: P-27’ letztes Album ist 1994 rausgekommen. Zurzeit sind wir damit beschäftigt, neues Material zu sammeln und daran zu arbeiten. Auf Frühling 1998 möchten wir eigentlich ein neues Album rausbringen. Unser erstes Album besten vor allem aus Samples, und das Zweite war ausschliesslich Live-Sound. Das neue Album wird eine Kombination aus Sample- und Live-Stücken sein.

Move: Wer gehört eigentlich zu P-27?
Skelt!: Bis vor ein paar Jahren bestand P-27 aus DJ Radikkal, Scen, Tron Drozt und mir. Die Band bestand aus Underground-Leuten aus Bern.

Move: Wer versteckt sich hinter SKELTIGERON?
Skelt!:
MC Rony, seit Jahren Beat-Box- und rapmässig voll am «Wüten». Er macht seinen Beat-Box genau so lange wie Michael Jackson den Moon-Walk. Black Tiger ist im ewigen Dschungel am «Wüten» und sucht ständig neue Wege. Momentan tüftelt er gerade an der Kreuzung SKELTIGERON und zusammen gehen wir alle einen neuen Weg. Und natürlich auch unser DJ, Drozt. Ich übergebe das Wort an Black Tiger.

black tiger move press picMove: Wo besteht ein Zusammenhang zwischen SKELTIGERON und «Bee 4 Real»?
Black Tiger:
Also wir alle gehören zu Bee 4 Real. Skelt! und ich sind Gründungsmitglieder (Anm. des Webmasters: KALMOO war eines der wichtigsten Gründungsmitglieder von Bee 4 Real), und Rony ist freischaffender Mitarbeiter. Bee 4 Real ist eine Fördervereinigung für neue, künstlerische Zusammenarbeit insbesondere im Hip-Hop, und hat die Förderung vom Hip-Hop in der Stadt Basel zum Ziel. Selbstverständlich später in der gesamten Agglomeration Basel und vielleicht einmal in der ganzen Schweiz. Wir veranstalten monatlich Parties und haben kürzlich ein grosses Festival organsiert. (4 ILL VIBES) Wir haben auch schon eine Woche lang Schule gegeben, hatten rund 48 SchülerInnen in Hip-Hop unterrichtet. Dies beinhaltete Kurse wie, Musik, Tanzen und Graffiti, sowie Philosophie des Hip-Hop. Speziell der letzte Kurs lag uns am Herzen, da wir wollten, dass die Jugendlichen «checkten», worum es im Hip-Hop eigentlich geht. In einem Turnus, belegten alle SchülerInnen jeden der vier Kurse. Am Schluss konnten alle ihre Produktion vorstellen und es gab sehr gute Resultate von verschiedenen Schülern. Einige verfolgten den Weg des Hip-Hop weiter und und sind noch immer aktiv dabei! Unser Kurs war einer von 40 anderen, jedoch mit etwas 250 von 950 Anmeldungen total überbelegt. Rund 1/4 aller Schüler wollten Hip-Hop belegen und das zeigte uns, dass Hip-Hop noch immer am «boomen» ist und eigentlich gar nicht mehr wegzudenken wäre.

Move: Ist all das aus dem Wake-Up-Projekt entsprungen?
Black Tiger:
Die Wurzeln liegen sicherlich in diesem Projekt, da wir damals oft in den Schulen waren. Wir informierten die Kids über Hip-Hop und Drogen, da speziell das Folienrauchen die Hip-Hop-Szene in Basel ziemlich kaputt machte. Bee 4 Real ist aber keine Drogenprävention, sondern eine Hip-Hop-Fraktion. Wir machen Hip-Hop und bieten diese anderen Leuten an. Daraus auch das Theater «Gleis X» entstanden, welches von Skelt! produziert und und geschrieben wurde. Das war seither unser letztes Grossprojekt.

Move: Wie wurde das Ganze finanziert?
Black Tiger:
Wir stehen momentan in den roten Zahlen, da wir diesen Sommer ein Festival in Basel veranstaltet hatten, welches nicht rentierte. Aber wir werden weiterhin versuchen Parties zu organisieren, und wir lassen uns nicht unterkrigen. Wichtig ist, dass weiterhin Parties veranstaltet werden, und dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Hip-Hop-Fraktionen in Basel und der übrigen Schweiz funktioniert. Geplant ist ein grosser Event, welcher von der grossen Hip-Hop-Veranstaltern in der Schweiz organisiert wird. Wir können jedoch nichts garantieren. Im Prinzip ist Bee 4 Real eine Vereinigung, die anstrebt, dass eine Unity in Basel entsteht. Wir möchten nicht gegen andere Leute arbeiten, sondern mit ihnen. Besonders den Dialog unter den Menschen im Hip-Hop möchten wir fördern, vor allem durch Jams. Wir versuchen auch immer mehr solchen Leuten eine Chance zu geben, die bis jetzt noch keine erhalten haben. Ich denke, dass alle mal so begonnen haben.

mcrony move press picMove: Stichwort Medien. Was hältst du von den Medien?
Black Tiger:
Medien sind eigentlich ganz okay. Ich habe ja Medienwissenschaft studiert. Es ist eine zwiespältige Sache, weil die Medienmenschen alles manipulieren können. Sie können eine Sache positiv oder negative darstellen bzw. beeinflussen. In Basel war es so, dass die Medien den Hip-Hop sehr schlecht dargestellt hatten. Die Definition von Hip-Hop war dann: Eine Gruppe «weicher Jungs», die nichts anderes zu tun hat, ausser sich zu prügeln. Mittlerweile ist es so, dass die Medien den Hip-Hop als Rap sehen. Aber «we represent the Hip-Hop and not the rap». Für uns ist es wichtig, dass wir zu einem Teil des Hip-Hop gehören. Wir machen Rap und fühlen uns in der ganzen Kultur wohl. Es erfreut mich immer wieder, wenn ich zum Beispiel verschiedenen Breakern zuschaua oder neue Graffitis sehe. Alle Hip-Hop-Menschen sind durch eine spezielle Zusammengehörigkeit verbundenen. Hip-Hop sollte nun mal als Kultur betrachtet werden und vereinzelt zerrissen werden. Die Medien beschreiben den Hip-Hop situationsbedingt. Sie verfälschen oft verschiedene Ereignisse und stellen sie meist negativ dar. Die Hip-Hop-Menschen müssen professioneller mit den Medien umgehen, da die Medien nur benutzen, was Schlagzeilen bringt.

djdrozt move press picMove B.R.: Ich bin Lehrer und sehe, wie meine Schüler enorm von den Medien beeinflusst werden. Solche Gruppen wie Nana, Papa Bear etc. werden von den Medien als Hip-Hop verkauft und meine Schüler finden diese Gruppen voll cool. Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die den Hip-Hop von Grund auf verfolgt haben, ihn Leben und produzieren, eben solche, die eine Ahnung haben. Meine Schüler nennen Nana im gleichen Atemzug mit Wu-Tang, da Medien wie Bravo, Viva usw. Hip-Hop skrupellos mit Pop mischen. Wo ist für dich der Knackpunkt? Wo grenzt es an Sellout, und wo werden die Medien tatsächlich nur noch dazu gebraucht, Geld zu machen?
Black Tiger:
Ja, es sind ziemlich viele verschiedene Fragen. Aber ich muss sagen, es ist im Prinzip alles Kommerz was auf den Markt kommt. Eigentlich betreibt jeder Rapper Kommerz, da er sein Album gut vertreiben möchte. Wichtig ist für die Rapper, dass ihre Aussagen vom Hip-Hop-Volk gehört werden. Also müssen sie ihr Album so gut wie möglich verkaufen. Aber dann hast du das Wort Sellout; und Sellout ist für mich, wenn du deine Seele verkaufst. Im Prinzip spreche ich solche Menschen an, die ein Remake von einem Hit machen, um selber die grosse Kohle zu verdienen.

skeltigeron move press picMove: Ihr habt ja einen Song über den Sellout geschrieben?
Black Tiger:
SOS «Sell-Out-Suckers!» Einerseits machen wir uns lustig über solche MC’s, andererseits müssen wir sagen, dass denau solche MC’s überhaupt nichts verstanden haben, weder von guten Flows noch coolen Styles. Es gibt nämlich sehr viele Rap-Gruppen, die etwas unverdient erreicht haben, und es gibt viele Rap-Gruppen, die im Untergrund sind, obwohl sie geilen Sound produzieren. Hip-Hop muss man einfach leben! Ich lebe den Hip-Hop und meine Crew lebt den Hip-Hop!

Move: In mehreren Songs «disst» ihr G-Punkt. Werft ihr sie demzufolge in die Schublade der sogenannten SOS-Typen?
Black Tiger:
G-Punkt ist eine Gruppe, die ich mal gehört habe und eigentlich okay gefunden habe. Persönlich kenne ich sie ja nicht vielleicht sind sie persönlich ganz nett, und ich könnte mit Ihnen, wie mit euch jetzt gemütlich hier sitzen und ein bisschen diskutieren. Aber als sie mit R.A.P. ein Lied gemacht haben, wir das Fass endgültig voll, denn dieser Song sollte eine «Verarschung» darstellen, doch diese «Verarschung» war echt Scheisse (Sorry). Sie «dissen» in diesem Song die Menschen, die den Hip-Hop in Bern überhaupt erst salonfähig gemacht haben. Solch primitive Raps (das kann man eigentlich gar nicht mehr Rap nennen), kann ich einfach nicht ernst nehmen. Vor allem wenn R.A.P. am Schluss noch meint: «Hip-Hop ist F*cken, Hip-Hop ist F*cken!». Ich kann dir in Basel jeden MC hinstellen und wenn dieser vielleicht erst 16 Jahre alt ist, er würde jeden von G-Punkt unter den Tisch rappen. Dieser Schritt gab mir nach einigen Jahren Pause, wieder den Ansporn, mit dem Rappen zu beginnen.

Move: Hat Skeltigeron irgendwelche Zukunftspläne?
Skelt!:
Wir hatten bis jetzt sechs bis sieben Auftritte wurden wir zusammengeschweisst. Wir merkten, dass wir gut zusammen passen, und die Chemie stimmt. Eine Maxi ist geplant, und wir werden das Material verschiedenen Plattenfirmen vorstellen. Wenn wir keinen Deal finden, so nehmen wir es einfach in eigener Regie auf und vertreiben unsere Produktionen von Hand. Wir werden auf jeden Fall rauskommen. Die Frage ist nur noch in welchem Rahmen.

Weitere Pressestimmen zu «Skeltigeron «Basel-City»»