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Popeye

21. Januar 2010Von: Pia StricklerViews: 810

20 Jahre Theater Club 111: Popeye's godda blues

Popeye schlägt sich durch

Per Megafon wird der Star des Abends angekündigt: Popeye, der Seemann, der sogleich auf die Bühne stolpert, dicht gefolgt von seiner mehr oder weniger heiss geliebten Freundin Olive Oil samt zickiger Geschlechtsgenossin.

Auch Popeyes grimmiger Gegenspieler Brutus präsentiert sich dem Publikum. Die Rivalitäten sind vorprogrammiert, der Theater-Comix kann starten.

Der erste Auftritt hat durstig gemacht und Olive gönnt sich in der Hafenkneipe ein Bierchen. Genuss- und geräuschvoll trinkt sie den Gerstensaft, ein ordentlicher Rülpser folgt. Doch die Gemütlichkeit dauert nicht lange. Die weibliche Konkurrenz taucht auf und der Zickenalarm geht auf höchster Stufe los. Mit Händen, Ellbogen und Handtasche werden Nase, Hals und Rippen der Konkurrentin unsanft bearbeitet. Der herbeigeeilte Popeye kann das Schlimmste verhindern und wird postwendend Objekt intensiver Verführungsbemühungen seitens beider weiblicher Wesen. Die Röcke werden kürzer, die Busen wippen wilder, Popeyes Herz schlägt höher - bis ihm Olive eine Ohrfeige verpasst.

Mit diesem fulminanten Einstieg schlägt der Club 111 die erste Seite seines Theater-Comics «Popeye's Godda Blues» auf. In brillanten Szenen werden die Zuaschauenden durch das Leben des Seemanns Popeye geführt und schliesslich auf eine abenteuerliche Reise mitgenommen, inklusive Besuch auf einer Menschenfresserinsel. Die Mitglieder der vierköpfigen Bühnencrew wechseln dabei immer wieder ihr Betätigungsfeld: Mal verleihen sie den Comic-Figuren auf der Bühne mittels Gestik und Mimik einen Körper aus Fleisch und Blut, mal sitzen sie mit einem Mikrofon am Bühnenrand und untermalen das Geschehen mit einer herrlich komischen Geräuschkulisse.

Bestechend präzise ist das Zusammenspiel von optischen und akustischen Mitteln. Kurze Gitarren- und Song-Einlagen während und zwischen den Szenen bilden einen roten Faden auf Popeyes Reise durch alle Weltmeere (Live-Musik: Simon Hari alias Senior Pepe).

Die Einrahmung des Comic-Strips könnte einfacher nicht sein: Mit einem Hellraumprojektor wird die jeweilige Szenerie auf eine Leinwand projiziert (Ausstattung: Andi Becker/Renate Wünsch); Regie/Live-Projektion: Meret Matter). In Sekundenschnelle wird die Bühne zum Segelschiff, zur einsamen Insel oder zum Boxring. Denn um an das Geld zu kommen und damit den Ansprüchen seiner Olive gerecht zu werden, fordert Popeye seinen Erzfeind Brutus heraus. Die Fäuste fliegen, Blut fliesst, der Sieg fällt knapp aus - die Szene ist ein köstliches Highlight des kurzweiligen Comic-Abends.

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