2000 - Züritipp 14. Januar

Freitag, 14 Januar 2000
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Die bessere Parodie

Sie dienten der Revolting Allschwil Posse als Vorlage. Nun steigen die Mundart-Pioniere P-27 weider aus der Versenkung - und besser als je zuvor.

Es gab einmal eine Zeit, lang ists her, da war der Mundart-Rap noch ein Novum. Das änderte sich 1992 schlagartig, als die Basler P-27 auf ihrer Einstands-Single «Murder by Dialect» (Anm. des Webmasters: feat. Black Tiger) bewiesen, dass gutturales Genörgel und Old-School-Traditionen Hand in Hand gehen können: Die Band war in aller Munde und ihr Debüt-Werk «Overdose Funk» in den Hitparaden.

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Das Konzept provozierte viele Nachahmer - und auch Parodisten. 1995 mischte die Revolting Allschwil Posse, die bekanntlich nicht wirklich aus der basellandschaftlichen Agglo-Metropole stammte, auf dem Mini-Album «Strictly Gangsta» überspitzte Akzente, Blödel-Effekte und pubertäre Reime zu einer überzeugenden Rap-Produktion. Sie lagen mit diesem witzigen Mix näher bei Public Enemy als ihre Vorgänger P-27: Die Persiflage hatte die Vorlage eingeholt.

Aus der Versenkung

Dass P-27 bald nach dem Erscheinen von «Strictly Gangsta» in der Versenkung verschwanden, hatte aber nichts mit den gerissenen Albernheiten der Allschwil-Zürcher zu tun. Ihr zweites Werk «Jetzt funkt's aa» war nicht über alle Zweifel erhaben und verkaufte sich trotz der Unterstützung eines Multis nicht besser als der Erstling «Overdose Funk». P-27 zerschellten schliesslich an den Problemen jeder Band: auseinander gehende Interessen und interne Ermüdungserscheinungen.
1997 begannen Tron, Skelt! und DJ Drozt an neuen Songs zu arbeiten. Daraus ist das neue Album «Dr einzig Wäg» geworden, das deutlich besser ist als die Vorgänger. Man begegnet einer erstaunlichen Bandbreite, die von Old-School-Party-Nummern bis hin zu modernen Stotter-Beats reicht. Und damit beweisen P-27, dass sie doch noch immer die bessere Parodie sind.

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