1999 - Tages-Anzeiger 27. Oktober

Mittwoch, 27 Oktober 1999
Raphael Zehnder
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Reim vom Rhein

Popmusikalisch sind vier Jahre eine Ewigkeit. 1995 erschien die letzte Platte von P-27. Mit «Dr einzig Wäg» legen die Basler nun ihr drittes Album vor: Dialekt-Rap mit Pop-Appeal.

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1992 veröffentlichten P-27 (Anm. des Webmasters: feat. Black Tiger) auf dem CH-Rap-Sampler «Fresh Stuff 2» als Erste einen Titel, der Schweizerdeutsch und Englisch kombinierte: «Murder by Dialect». Nicht nur in der West- auch in der Deutschschweiz hat sich die Umgangssprache längst als Rap-Sprache durchgesetzt. Im selben Jahr gaben P-27 ihr Debütalbum «Overdose Funk» heraus. Es erreichte den 8. Platz der Schweizer LP-Hitparade, offenbart aus heutiger Sicht aber die Kinderkrankheiten des Schweizer Hip Hop: «Das erste Album war nur gesampelt. Um einen Sample herum haben wir ganze Tracks aufgebaut», sagt das P-27-Mitglied Skelt!. Die Basler Formation war 1992 im Schnitt knapp 20-jährig, ein kritisch begleitendes Umfeld fehlte.

Austausch und Erfahrungen sind seither gewachsen: Auf der 95er-Platte «Jetzt funkt's aa» mischten P-27 dann alles «von Reggae über Punk bis Heavy Metal» (Skelt!). Das Titelstück und das schwermetallige «Run Baby Run!» wurden Erfolge. Bis Sommer 1997 traten sie mit jenem Programm auf, die Umstellungen hatten jedoch schon begonnen: Plattenfirma und Management wechselten, DJ Radikkal, Keyboarder J.P. und Gitarrist Feel-X verliessen die Band. Die verbliebenen Mitglieder Tron (MC/DJ), DJ Drozt und Skelt! verfolgten eigene Projekte und bauten ihre Studios auf, was ihnen eine neue Arbeitsweise eröffnete. Skelt!: «Früher nahmen wir in externen Studios auf und vermochten nicht genau zu sagen: ‹Dreh an dem Regler, damit das und jenes passiert.› Weil wir nun zwei, drei Jahre selbst an den Geräten sassen, konnten wir das, was wir im Ohr hatten, besser umsetzen und genauer an den Tracks feilen.» So hätten sie immer wieder an den Stücken arbeiten können. Die Musik sein nun stärker verwoben, so der 26-jährige Rapper.

DER AUFBAU DER 15 Stücke von «Dr einzig Wäg» orientiert sich am Schema Strophe - Bridge - Refrain. «Wir haben diesmal auf klarere Strukturen gesetzt und das musikalische Spektrum gegenüber ‹Jetzt funkt's aa› bewusst etwas verengt», sagt Skelt!. Manche Bestandteile der P-27-Songs kommen einem bekannt vor: Die Single «Ohre» enthält eine Fanfare, die an Europes «Final Countdown» angelehnt scheint, «The Game» einen an Queens «Another One Bites The Dust» erinnernden Basslauf, «Galgevögel» ein Morricone-artiges Einsprengsel. «Wir wollten nicht absichtlich an Bekanntes anknüpfen. Als Tron mir den Track ‹Ohre› zeigte, dachte ich an den Film ‹Rocky›. Es handelt sich um einen unbekannten alten Sample. Bei ‹The Game› stellten wir Ähnlichkeit mit Queen fest, doch keiner der drei oder vier anderen Bassläufe ging so Hand in Hand mit dem Rest der Musik wie dieser. Der Morricone-Verdacht stimmt. Wir haben aber nur einen einzigen Trompeten-Ton gesampelt, den wir auf dem Keyobard wieder einspielten.» Die Samples hätten sie nicht eins zu eins übernommen und als komplette Linie in einen Kontext gestellt: «Wir haben mit kleinen Schnipseln gearbeitet und versucht, ihnen einen neuen Sinn zu geben.»

Am liebsten hört Skelt! Platten von Leuten, die etwas zu sagen hätten, oft gehe es nur um die «skills» und nicht um den Inhalt. Der Idealfall sei, wenn Inhalt und Form stimmten. «Lieber höre ich mir jemanden an, der etwas zu sagen hat, aber noch nicht die vollendete Form gefunden hat, als umgekehrt.»

P-27: «Dr einzig Wäg» (Muve/MV)
Plattentaufe: Fr, 29.10., Sudhaus Basel,
Burgweg 7, Beginn 22.15 Uhr

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