Gleis X @ Coop Zeitung

1997 - Coop Zeitung 24. September

Mittwoch, 24 September 1997
Benno Brunner
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Hip Hop wird theaterfähig

Diese Woche kommt ein einzigartiges Theaterstück ins Basler Stadttheater: Die Hip Hop-Szene spielt sich selber.

Nach der Premiere wundert sich Skelt!: «Sogar Leute im höheren Alter so ab 30 haben beim letzten Rap mitgewippt!» Das hat der 24jährige Autor und Produzent des Hip Hop Theaterstücks «Gleis X» nicht erwartet. Dass sein Projekt in der Rap-Szene ankommt, ist dagegen fast schon selbstverständlich. Schliesslich stammen die 21 Schauspielerinnen und Schauspieler, die auf der Bühne spielen, tanzen, rappen und scratchen, mit einer Ausnahme selber aus der Basler Hip Hop-Kultur.

Skelt! ist aber stolz darauf, dass den Zuschauern «im höheren Alter» das Stück gefällt. Er will mit der Geschichte des Sprayers Samir einem breiten Bevölkerungskreis vermitteln, dass hinter Hip Hop mehr steckt als Gewalt, Frauenfeindlichkeit und Kriminalität: «Wir wollen zeigen, wie kreativ die Hip Hop-Kultur ist, die Generationen einander näherbringen und Verständnis schaffen.»

Schauspieler statt Speditionskaufmann

coop ztng 970924 2«Gleis X» ist das erste Schweizer Theaterstück über Hip Hop. Einzigartig ist auch, dass die Initiative nicht von den Theaterleuten ausging. Skelt!, selber Rapper, Breakdancer und Sprayer, hatte vor eineinhalb Jahren die Idee, eine Hip Hop-Geschichte auf die Bühne zu bringen. Durch Freunde, die in einem anderen Stück am Basler Stadttheater spielten, knüpfte er Kontakt zur Dramaturgin Anne Schöfer. Sie vermittelte ihm den Regisseur Tom Ryser, mit dem er dann «Gleis X» realisierte.
Fast zwei Monate bereiteten sich die beiden mit den Laienschauspielern fast jeden Nachmittag und Abend auf die Premiere in einem kleineren Theater vor. Diese Woche folgen Vorstellungen im Theater Basel. Aufführungen in weiteren Städten sind in Verhandlung.

Den gelernten Speditionskaufmann Skelt! hat die Theaterwelt so gepackt, dass er seinen Beruf an den Nagel gehängt hat. Er will in Zukunft mit «Bee4Real - Fördervereinigung für neue künstlerische Zusammenarbeit» professionell Hip Hop-Projekte realisieren. Das könnte ein weiteres Theaterstück sein, muss aber nicht: «Ich habe x sachen im Kopf. Mich würde auch reizen, mal ein Tanzstück zu machen.»

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