1992 - LNN Magazin 08. April

Mittwoch, 08 April 1992
Christian Hug
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«Fresh Stuff 2»: Ein neuer Sampler mit einheimischem Rap ist erschienen

Der Schweizer Hip-Hop hat sich etabliert

Vor zwei Jahren erschien der Sampler «Fresh Stuff», der nach der Live-Manifestation CH-Fresh erstmals die Schweizer Rap-Szene auf Vinyl zusammenfasste. Inzwischen hat sich einiges getan, und der nun erschienene Nachfolger «Fresh Stuff 2» geht voll ab.

«Fresh Stuff 2»: Ein neuer Sampler mit einheimischem Rap ist erschienen

Der Schweizer Hip-Hop hat sich etabliert

Vor zwei Jahren erschien der Sampler «Fresh Stuff», der nach der Live-Manifestation CH-Fresh erstmals die Schweizer Rap-Szene auf Vinyl zusammenfasste. Inzwischen hat sich einiges getan, und der nun erschienene Nachfolger «Fresh Stuff 2» geht voll ab.

Im Jahre 1990 waren Schweizer Rapper nur selten anzutreffen, und diejenigen, die sich auf die Bühne wagten, probten noch, probierten Neues aus, versuchten, überhaupt ihre Sprache zu finden. Auf dem Sampler «Fresh Stuff 1» waren die Raps folglich nur mehr eingestreut in die immerhin schon recht fulminante Arbeit der DJs, die damals immerhin schon einen gewissen Stand der Fertigkeiten auswiesen. Passend zur damaligen Aufbruchstimmung wurde der Sampler recht rauh und kratzig abgemixt, was sich aber für «Fresh Stuff 1» durchaus als Vorteil entpuppte.

Schweizer Rapper haben sich gemacht

Im letzten Jahr feierte die Schweizer Rap-Szene förmlich ihr Outing: Duty Free aus Genf überwanden mit ihrer ersten Maxi die Peinlichkeit ihrer ersten Auftritte definitiv, Self Explantary aus Aarau schoben eine Single nach, und Sens Unik aus Lausanne reihten sich mit ihren französischen und spanischen Raps bedenkenlos in die Reihe gestandener französischer Acts wie Iam oder Lionel D. Dazu kam auch das zunehmende Ansehen Schweizer DJs.

Jetzt war es Zeit, den einheimischen Hip-Hop definitiv zu etablieren: «Fresh Stuff 2» erscheint als CD bei Out Of Tune/Disctrade und beinhaltet 13 Tracks von 12 Crews, die allesamt kompakt daherkommen, mit fliessenden und durchgehenden englischen Raps, was immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, da Rap das Medium der Sprache ist und sich rappend in einer Fremdsprache auszudrucken immer noch Barrieren bildet.

Viele Newcomer

Davon ist aber auf dem Sampler nichts zu spüren. P-27, das eröffnende Quartett aus Basel, singt als einzige Crew in gewitztem Baseldeutsch zum Thema Sprayen. Einzig Ihr Auftreten mit Maschinengewehr könnten sie sich sparen. Bands wie 1st Capitol, DPM Syndication oder Brother’s KC sind Newcomer, Sens Unik haben Ihren der LP neu aufgearbeitet, und die Ami-Schweizerin Julie Wright lägt ein zu einem Ausflug in Deep House.

Nicht auf dem Sampler sind Duty Free, Self Explantary und Loo, die zu Zeiten der ersten Ausgabe noch als Hoffnung galt. Dafür erweitert die zürcherisch-luzernerische Reggae-Formation Ganglords das Spektrum mit einem feinen Ragga-Song, den sie in Jamaica einspielten, und einer aufgepeppten Version ihres wunderbaren Ohrwurms «Girls Dem Nice».

«Fresh Stuff 2» sitzt und fährt auf Anhieb in die Tanzbeine. Ein Album, das man sich nicht nur als Rap-Fan oder Sammler von Schweizer Musik anhören sollte, denn die Vorstellung, dass eine Split-Single-Auskoppelung zum Beispiel mit Ganglords und P-27 gar die Hitparaden erreichen könnte, scheint gar nicht mal so abwegig.

Christian Hug

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