P-27 @ Basler Zeitung

1992 - Basler Zeitung 22. Oktober

Donnerstag, 22 Oktober 1992
jj/cap
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Baseldytsch mit Sound aus dem Underground

Was etlichen gestandenen Basler Bands verwehrt bleibt, gelingt derzeit vier jungen Rappern. Kaum ist ihre erste CD auf dem Markt, spielen Radiostationen das Werk tagaus, tagein. P-27 heisst die Basler Formation, ihre Besonderheit: baseldeutsche Rap-Reime.

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Baseldytsch mit Sound aus dem Underground

Was etlichen gestandenen Basler Bands verwehrt bleibt, gelingt derzeit vier jungen Rappern. Kaum ist ihre erste CD auf dem Markt, spielen Radiostationen das Werk tagaus, tagein. P-27 heisst die Basler Formation, ihre Besonderheit: baseldeutsche Rap-Reime.

Verwundert drehen die Passanten ihre Köpfe in Richtung Blitzlicht. Die vier jungen Typen, die hier im Untergrund des Bahnhofs für den Fotografen posieren, scheinen niemandem bekannt vorzukommen. Und doch: Wer am Abend das Radio aufdreht oder den Fernseher anstellt, könnte ihnen durchaus ein zweites Mal begegnen - der, Rap-Gruppe P-27, die mit englischen, aber auch baseldeutsch gereimten Rap-Texten für Aufsehen sorgt.

P-27, ihren Namen haben die vier Basler von der ausgehobenen illegalen militärischen Aufklärungsgruppe, sind derzeit hoch im Kurs. Titel Wie «Summerzyyt» oder «Murder By Dialect» spielen.die Radiostationen rauf und runter - und mit der Veröffentlichung . der ersten CD «Overdose Funk» haben P-27 auch in ihren eigenen Reihen, der Basler Hip-Hop-Unterwelt, für Verwirrung gesorgt. Aus diesen Reihen stammen die Rapper mit den hip-hop-typischen Künstlernamen Skelt!, Scen und Tron sowie DJ Radikkal selber, auch wenn sie sich nicht etwa als «Homeboys» sehen wollen. 1991 gründeten Tron und Scen die Band P-27: Mit Plattenspielern und Recordern arbeiteten sie an musikalischen Gerüsten, die später zu den eigentlichen P-27-Stücken werden sollten. Zum Sprungbrett gedieh ihnen der Schweizer Hip-Hop-Sampler «Fresh Stuff 2», auf dem die interessierte Hörerschaft erstmals schweizerdeutsch gerappten Hip Hop vernahm - eine ziemliche Überraschung.

Sorgen für Verwirrung - sogar In der Hip-Hop-Unterwelt Basels: Die Rapper der P-27-Formation.

Auf der CD der Basler Hip-Hop-Crew steht neben den anderen, branchenüblichen Danksagungen auch eine Widmung an den verstorbenen Ruedi Walter zu lesen. «Das ist absolut ernst gemeint», sagt Tron vehement, der wie seine Kollegen knappe 20 ist und in einer Lehre steckt. Tron würde sich «äusserst geehrt» fühlen, wenn irgendwann jemand seine Texte in einen Zusammenhang zu diesem grossen Dialektschauspieler bringen würde. Auch der Vergleich mit fasnächtlichen Reimtraditionen ärgert ihn nicht: «Schnitzelbängg lassen sich auch rappen, warum nicht...»

Was allerdings die Inhalte der Texte betrifft, bestehen Differenzen zu Volkstümlichem. Mal wird Basel primär mit dem Wort «Bulle-Schtress» charakterisiert und über die ungeliebte Polizei gelästert, mal berappen P-27 Aids als «die schlyychendy Gfohr». Der Erfolg dieser Dialektdichtungen hat in den Reihen der Basler Hip-Hop-Welt für etliche schlechte Gefühle «und wohl auch Neid» gesorgt, wie Skelt! meint. Doch wie schnell in der Szene das Blut in Wallung gerät, wissen die P-27er wohl selbst am besten. Auch der besungene Direktkontakt mit der Polizei ist ihnen alles andere als fremd. Zwar sprayen P-27 heute nach eigenen Worten bloss noch legal - dem war aber nicht immer so, was oft genug zu Scherereien führte.

Heute jedenfalls zeigen sich Skelt!, Tron, Scen und DJ Radikkal nicht in einer Weise, die sie als typische Hip-Hopper ausweisen würde: Baseballkappen, überteure Bomberjacken und unförmige Ghettoturnschuhe mit offenen Schuhbändeln kommen nicht zum Zug. «Wir ziehen einfach an, was uns gefällt», meint dazu Kollege Drozt, der den hauseigenen Fanclub der Band aufgezogen hat. Und Skelt! meint, «es reicht nicht, in einen Laden zu laufen, mit teuren Kleidern wieder rauszukommen und dann zu meinen, das sei Hip Hop - doch leider gibt es immer mehr solche Mitläufer. Hip Hop muss man im Herzen haben.» Auf der Szene gebe es halt massenhaft Leute, die weder sprayen noch Break-Dance tanzen noch rappen könnten, «doch auch die wollen ihren Respekt und meinen, ihn durch Schlägereien zu erhalten».

P-27 schlagen inzwischen in anderer Weise zu. Nach der offiziellen Plattentaufe von «Overdose Funk» im «Only One» von heute abend beginnt für die noch relativ bühnenunerfahrene Band - bisher etwa zehn Konzerte - eine Schweizer Tournee. Mit englischen Rap-Titeln wie «Evil Dreams» samt tanzbaren Beats und Soundcollagen ab Plattenspieler - und als «Special» eben auch auf baseldytsch.

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