2015 - «Drummeli 2015» (Teil 1) @ Tages Woche

Sonntag, 08 Februar 2015
Dominique Spirig
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EIN DRUMMELI MIT SPRITZIGEN HÖHEPUNKTEN, ABER AUCH DURCHHÄNGERN

Das Drummeli 2015 führt auf eine dreieinhalbstündige Fahrt über originelle Höhepunkte, durch moralingetränkte Talfahrten und zu vielen Neukompositionen, von denen es wohl nur wenige ins Standard-Repertoire der Fasnacht schaffen werden.

Nach dem Mimösli, Pfyfferli, Fasnachtskiechli, dem Ridicule, Fasnachtsbändeli, Fasnachtsladäärne, dem Zofingerconzärtli, Charivari für Erwachsene und Kinder – hab ich etwas vergessen? – stand nun endlich mit dem Drummeli die Premiere der Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen an.

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Krach unter den Königskindern Basel-Stadt und -Landschaft, die zueinander nicht finden. (Bild: Keystone, Georgios Kefalas)

Zwanzig Stammcliquen, je zwei Schnitzelbängg und Gugge und ein erfrischend aufspielendes (aber nicht immer mit treffenden Pointen ausgestattetes) Rahmenspiel-Ensemble sorgen für einen Vorfasnachtsabend, der sich trotz aller Abwechslung doch etwas in die Länge zieht.

Für die Höhepunkte des dreieinhalbstündigen Abends sorgten vorab der Bangg Heiri (ausgerechnet einer aus dem Baselbiet), die Stammcliquen Alti Glaibasler und Alti Richtig mit herrlich originellen und skurril selbstironischen Auftritten, die Guggenmusik Grachsymphoniker mit einem schmissigen Basel-Medley und das Rahmenspiel-Ensemble, das sein Repertoire an treffsicheren lokalpolitischen Pointen leider bereits im wunderbaren Prolog beinahe ausschöpft.

Durchzogener Originalitätsdrang

Schon seit einigen Jahren versuchen die Stammcliquen ihre Trommel- und Pfeifer-Vorträge mit mehr oder weniger aufwendigen Inszenierungen aufzupeppen. Das gelingt nicht immer überzeugend. Die Alti Richtig nahm diese Tendenz (und letztlich auch sich selber) mit einem herrlich skurrilen und selbstironischen Auftritt aufs Korn.

Im Hintergrund werden in einem Chat mit dem Comité abstruse Inszenierungsideen projiziert – Pfeifer als Kannibalen, die mit Spuckrohren statt Piccolos Giftpfeile ins Publikum schiessen und Trommler, die mit ihren Schlegeln lebendige Krokodile abwehren –, während auf der Bühne, zuerst verdeckt von untätig herumstehenden Kannibalen und Affen, die Trommler und Pfeifer der Ari den Marsch spielen, den andere Cliquen in ihrem Bestreben, ihre musikalische Vorzüglichkeit zu demonstrieren, tunlichst vermeiden: den Arabi.

Kurz darauf zeigten die Spezi, dass die Ari nicht ganz unrecht haben. Ihr vorzüglich intonierter Auftritt mit dem offenbar dreissig Jahre lang schubladisierten Medley aus amerikanischen und französischen Märchen mit dem Titel «The Marching Band» beginnt zwar mit dem Auftakt zweier Solisten sehr stimmig, auf den Einbezug einer Gruppe von stöckchenlosen Majoretten hätte die Stammclique aber gut verzichten können.

Herrliche Kellerszene

Dass die Suche nach einem originellen Auftritt aber durchaus einschlagen kann, bewiesen die Alte Glaibasler mit ihrem «AGB-Käller-Jam»: Zu erleben ist ein grosses fasnachtsmusikalisches Fest der Kellerasseln, die nach einer Übungsstunde der Pfeifer virtuos durch das Repertoire an klassischen Fasnachtsmärschen jammen, bis das Auftauchen der Putzfrau dem herrlichen Treiben ein abruptes Ende bereitet. Ein wunderbarer Auftritt.

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Die Jungi Garde der Seibi führen auf eine reizende musikalische Schweizerreise. (Bild: Keystone, Georgios Kefalas)

Für einen herausragenden Farbtupfer sorgte auch die Trommel- und Pfeiferschule der Seibi Jungi Garde. Sie führten das begeisterte Publikum auf eine reizende musikalische Schweizerreise.

Dass man auch ohne aufgesetzten Inszenierungszusatz überzeugen kann, bewiesen unter anderem die VKB mit ihren «Nunnefirzli»: ein wunderbarer Marsch, der aber erst richtig zur Geltung kommt, wenn er auch so virtuos gespielt wird, wie es hier der Fall war. Oder die Gundeli-Tambouren, die den anspruchsvollen Trommeltext des Marsches «Basel Nord» mit eindrücklicher Präzision meisterten.

Militärisches aus Belgien und Blasmusikverstärkung

Zwei Stammcliquen führten nacheinander in höchst unterschiedlicher Weise auf belgische Schlachtfelder. Die Rhygwäggi intonierten den flotten «Marche des parachutistes Belges». Aber muss man sich für ein fasnächtliches Arrangement eines Militärmarsches wirklich in Tarnanzüge schmeissen? Da wählten die Spale mit ihrem (sauber gespielten) «Sambre et Meuse» – auch dieser Marsch stammt ursprünglich aus dem belgischen Armee-Repertoire – einen ganz anderen Ansatz. Sie traten als Demonstration gegen die uniformierte Gewalt nackt (beziehungsweise in Nackt-Kostümen) auf.

Einen bemerkenswerten musikalischen Aufwand haben die Schnurebegge mit ihrem «Rossignol Surprise» betrieben. Sie zogen für das Arrangement Blasmusikerinnen (und -musiker) der Musikgesellschaft Konkordia Reinach bei. Das Zusammenspiel ging aber nicht ganz ohne Wackler über die Bühne. Vielleicht lag dies auch daran, dass sich die Pfeifer des Männervereins durch die weiblichen Klarinettistinnen etwas aus dem Rhythmus bringen liessen…

Spitzenbangg im Baselbieter Dialekt

Der Auftritt des Schnitzelbangg Heiri gehört ohne Zweifel zu den grossen Höhepunkten des Drummeli-Jahrgangs 2015. Dies sowohl in der Art des Vortrags, als auch mit den Pointen. Der als Baselbieter Bauer kostümierte und von einer Kuh begleitete Bänggler rappte sich im Baselbieter Dialekt durch seine wunderbar pointenreichen Vierzeiler. Dafür erntete er zurecht einen tosenden Applaus.

Mit dem Heiri konnten es die Seibi-Strossebängg nicht aufnehmen. Erst mit dem letzten, schön gesungenen Langvers vermochte die Grossformation eine Pointe zu landen, die auch wirklich einschlug.

Durchzogenes Rahmenspiel-Programm

Das Rahmenspielprogramm war ebenfalls etwas durchzogen. Es begann ausgesprochen vielversprechend, mit einem A capella-Stakkato-Prolog, bei dem die lokalpolitischen Pointen im Sekundentakt über die Bühnenrampe geschleudert wurde. Aber es schien fast so, als ob das Reservoir mit spitzen politischen Bemerkungen damit bereits aufgebraucht war.

Es folgten zwar noch weitere originelle (und gut gespielte) Stückchen, etwa der Streit der beiden Basler Königskinder, der Massenauftritt von Conchita-Würsten oder das Requiem auf die Hasenburg, andere Einlagen blieben aber etwas blass oder wurden mit dem Überstülpen eines politisch korrekten Moral-Mäntelchens ihrer Spritzigkeit beraubt.

Sinnbildlich für diesen Eindruck war die Balkon-Szene, die dieses Jahr zur Balkan-Szene wurde. Die Idee, den Daig-Basler aus dem Parkett mit einer frechen Jugendschnuure mit Balkan-Slang zu konfrontieren, ist mutig. Und lange Zeit auch ganz treffsicher und originell. Leider hatten die Verantwortlichen nicht den Mut, dieses Setting bis zum Schluss durchzuhalten. So nimmt die moralinsaure (und auch etwas reaktionäre) Schlusspointe, die auf die Rettung des urbaslerischen Geistes abzielt, eigentlich alles wieder zurück, was zuvor gewagt wurde.

Mit einem schmissigen «z Basel…» verabschiedet

Bleiben noch die beiden Guggen-Auftritte. Die Schotte Clique bewies mit ihrem Arrangement des Nena-Songs «Leuchtturm» (in Heino-Kostümen), dass sie zu den versiertesten und auch lautesten Guggenmusiken Basels gehört. Und die Grachsymphoniker erfüllten mit dem schmissigen «Basel Medley» zu ihrem 50. Geburtstag die Wünsche derjenigen Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich darüber freuen, wenn es bei einem Gugge-Vortrag wieder mal so richtig fäggt.

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